Güterbahnhof Lokstedt

…die schlechten ins Kröpfchen!

Brombeeren (Rubus fructicosus) schmecken lecker. Sie sind sehr aromatisch, ob pur vom Stängel verzehrt oder weiterverarbeitet zu Marmelade, Kuchenbelag, Fruchtsaft oder roter Grütze. Aktuell ist Erntesaison. Doch manchmal kann das Ernten auch gefährlich sein.

Ihre Wurzeln stecken hartnäckig im Boden und die daraus sprießenden stacheligen Triebe und Blätter zerkratzen schnell die Haut. Das ist aber nicht die einzige Gefahr, die von ihnen ausgeht.

Da die Pflanzen windgeschützt am besten gedeihen, findet man sie auch auf Bahndämmen und Gleisanlagen. Diese Vorliebe für windgeschützte Stellen haben zwei Frauen (36 und 43) wohl auch gekannt, als sie sich Ende August am Mittwochnachmittag mit ihren Körben auf dem Weg zum Ernteeinsatz auf dem Lokstedter Güterbahnhof machten.

Woran die beiden wohl nicht gedacht hatten. Der Aufenthalt im Gleisbereich ist lebensgefährlich und streng verboten. Von den Behörden wird er als Ordnungswidrigkeit verfolgt.

Der Autor dieser Zeilen ist direkt neben der Güterumgebungsbahn aufgewachsen. In den 1970er Jahren war Betreten der Bahndämme noch nicht so gefährlich wie heute. Die Strecke endete blind am verschlafenen Güterbahnhof Lokstedt, so dass es keinen regulären Verkehr auf der Strecke gab. Vermutlich war das Betreten der Gleise damals schon verboten, doch es war uns Kindern nicht bewusst. Oft kam ja tagelang kein Zug vorbei und wir spielten auf dem Bahndamm, nutzen ihn als Rutsche und meine Mutter rückte in der Erntezeit mit Eimern an. Wir Kinder mussten alle helfen. Ein beliebtes Spiel bei den Jungs war es auch, Pfennige auf ein Bahngleis zu legen und sie nachdem ein Zug gekommen war plattgewalzt wieder zu finden.

Heute allerdings 40 Jahre später ist das Betreten der Bahndämme weitaus gefährlicher. Die Züge fahren schneller und sehr viel häufiger. In bewohnten Gebieten, entlang des Kollauwanderweg vom Deelwisch bis zum Kellerbleek, haben die Anwohner heute zudem eine Lärmschutzwand bekommen, die es verhindert den Bahndamm zu überqueren.

Das ist auch gut so, den mittlerweile ist das Betreten der Bahndämmme kein Kavaliersdelikt mehr. Man sollte den Gleisen daher generell nicht zu nahe kommen, sowie im Bereich von Bahnanlagen sämtliche Hinweis- und Verbotsschilder beachten.

Die beiden Frauen hatten sich zwar mit langen Kleidern und Kopftüchern gegen die stacheligen Triebe der Pflanze geschützt, aber die Gefahren im Schienenverkehr unterschätzt. Sie wussten auch nicht, dass in Deutschland der Aufenthalt im Gleisbereich verboten ist.

So ausgerüstet betraten sie den Gleisbereich am Kellerbleek und pflückten in Seelenruhe, unmittelbar neben den Gleisen, ihre Brombeeren. Frei nach dem Aschenputtel-Motto: „Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen!“

Nachdem gegen 14 Uhr Alarm ausgelöst wurde, musste die Güterumgehungsbahn Eidelstedt / Lokstedt gesperrt werden, bis die Beerensammlerinnen wieder sicheren Boden unter den Füßen hatten.

Für die Sicherheit auf Bahnanlagen ist die Bundespolizei zuständig, die gerufenen Beamten klärten die Frauen über ihr lebensgefährliches Handeln auf. Ein entsprechendes Verfahren wurde eingeleitet.

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© Lokstedt-online 11.09.2013