Mordprozess vor dem Landgericht Hamburg

Messer nur an die Hoden gehalten

Am Abend des 9. Dezember 2011 kurz nach 22 Uhr verblutete der 37-Jährige „Hinz & Kunzt“-Verkäufer Rafael S. in seiner Souterrain-Wohnung in der Osterfeldstraße. Ein Messerstich, der die Bauchschlagader zerfetzte, hatte eine nicht stillbare innere Blutung zur Folge gehabt.

Unmittelbar nach der Tat verhaftete die Polizei die damals 37-Jährige Verlobte des Opfers. Seit Anfang dieser Woche nun steht die aus Warschau stammende Blanka D. vor dem Landgericht unter Mordanklage.

Seit 2003 führten Rafael und Blanka eine Beziehung, die geprägt war von den Folgen des Alkoholismus, an dem beide litten. Trotz dieser Widrigkeiten, einem steten Auf und Ab zwischen Rausch und Phasen der Abstinenz, hatte sich das aus Polen stammende Paar verlobt, im Januar 2012 sollte die Hochzeit sein(Lokstedt online vom 12.12.2011).

Auch der verhängnisvolle Tag, an dem der in Eppendorf beliebte Zeitungsverkäufer sterben sollte, war geprägt von den Widersprüchlichkeiten, die ein solches Leben hervorrufen kann.

Obwohl es Blanka den ganzen Tag nicht gut gegangen sei, so dass sie nur bis 11 Uhr hätte arbeiten können, gab es in der Wohnung der Beiden am Abend eine feuchtfröhliche Party, bei der alle Beteiligten außer Rafael kräftig dem Alkohol zusprachen. Er sei nämlich seit einigen Monaten trocken gewesen. Die Angeklagte hingegen habe schon den ganzen Tag Bier getrunken.

Genug um auf verminderte Schuldfähigkeit zu plädieren.

So soll die Reinigungsfachkraft Blanka D., die als Subunternehmerin tätig war, zum fraglichen Zeitpunkt einen Blutalkoholgehalt von 2,9 Promille gehabt haben. Zusätzlich habe sie wegen ihrer Alkolholkrankheit verschiedene Medikamente genommen.

Wie die Angeklagte unter Tränen vor Gericht aussagte, habe es schon einige Zeit immer wieder Streit wegen Beata und Sarah gegeben.

Beata, eine Freundin Blankas, wohnte seit einiger Zeit mit in der 34 qm großen Wohnung. Rafael verlangte, dass sie sofort ausziehen sollte. Ansonsten habe er gedroht, werde er beide auf die Straße setzen.

Sarah, der Hund der Verlobten, ihn habe Rafael der Angeklagten angeblich wegnehmen wollen. Mit der Rührseligkeit, die Alkoholkranke Menschen gerne an den Tag legen, sagte Blanka D. dazu aus, dass sie diesen Hund wie ihr eigenes Kind geliebt habe.

Eines Tages schneid ich dir die Eier ab

Die Tat selbst streitet die Angeklagte allerdings ab. Sie behauptet vielmehr vor Gericht, das Messer lediglich aus der Küche geholt zu haben, um Rafael damit zu bedrohen, Erstechen hätte sie ihn keineswegs wollen. Sie hätte es ihm nur an die Hoden gehalten um ihm Angst zu machen, dass sie ihn eines Tages entmannen könnte, wenn er sie weiter erniedrigte.

Doch plötzlich sei die Situation eskaliert, Rafael habe ihre Hand gepackt und sich das Messer selbst in den Körper gerammt.

Das Messer aus der Wunde herausgezogen und abgewaschen zu haben, erinnere sie nicht mehr. Auch die Tat einige Tage zuvor angekündigt zu haben, stritt Blanka vor Gericht ab.

Eine Erklärung für den spontanen Selbstmord des Opfers hatte sie allerdings parat. Rafael sei Suizid-gefährdet gewesen, schon ein Jahr zuvor habe er sich einmal Schlaftabletten in sein Bier geführt.

Es bleibt abzuwarten, ob diese Schilderung das Gericht überzeugt.

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© Lokstedt-online.de 10.05.2012