• /
  •         
  • /
  • /
  •         
  • /
  •         
  • /
  • /
  •         
  • /
  •                  

Cannabis-Plantage in Lokstedt

Wohin mit der Plant?

Am Freitagmittag wurden zwei Polizisten zur Gartenarbeit verdonnert. Die Einsatzmeldung war den Beamten schon merkwürdig genug vorgekommen: Eine größere Menge Cannabispflanzen läge im Hagendeel im Straßengraben. Und tatsächlich, die Überreste einer ganzen Garagen- oder Wohnzimmerplantage lag zum Abholen bereit im Straßengraben.

In einem einschlägigen Chats kann man lesen: „Meine Plant fängt stark an zu riechen und ist jetzt schon 45 Tage in der Blüte. Da ich mir bei meinem nächsten Grow eine andere Plant zulegen will, will ich meine jetzige Plant nach der Ernte entsorgen, nur wohin mit der Plant?“

So oder so ähnlich müssen die Probleme gewesen sein, die den Betreiber einer Cannabisplantage zum Handeln zwangen. Es könnte aber auch sein, dass sein Vater seine liebevoll gepflegten Pflanzen auf dem Dachboden gefunden hat. Oder er hat nur die für den Ertrag der Plantage schädlichen männlichen Pflanzen entsorgt. Wie auch immer, was macht man nun damit?

Wie bei fast jedem anderen Problem im Leben, so hält der Chat auch in diesem Fall einige Ratschläge parat:

  • „Bei uns gibt es auf den Friedhöfen extra riesige, in den Boden eingelassene Mülleimer für kompostierbare Abfälle. Da habe ich immer meine Erde nach der Benutzung hingebracht. Ist immer wenig los und mich hat noch nie einer angesprochen.“
  • „Ich würd‘s den Bullen ganz einfach auf‘n Hof schmeissen. Dann hat deine städtische Presse wieder mal die Möglichkeit sich's Maul zu zerreissen.“
  • „Ich zerkleinere meine Pflanzen nach der Ernte, steck sie in den Rucksack, fahr mit Fahrrad raus in den Wald und entsorg die an einem unauffälligen Fleck.“
  • „Ihr macht ja ein ganz schönes Theater um die Entsorgung. Es handelt sich um Cannabis, also um eine Pflanze, die zudem noch relativ wenig Uran, Plutonium und ähnliche Giftstoffe enthält. Auf den Kompost damit, oder habt ihr schon mal Leute in anderer Leute Komposthaufen rum wühlen gesehen?“

An solchen Ratschlägen hat sich der Plantagen-Entsorger vom Hagendeel offensichtlich orientiert, nur dass die Überreste seiner Plantage in keinen Rucksack gepasst hätten. Er wird sich schon mindestens einen Kleinlaster besorgt haben. Im Hagendeel angekommen hat er die Pflanzen dann samt Erdballen inklusive Düngerresten einfach in den Graben geworfen.

Die beiden Polizisten nahmen‘s mit Humor. Unsere Frage, was sie da täten und ob sie eine Leiche im Straßengraben entdeckt hätten, fanden sie komisch. „Riechen sie mal? Wissen sie wirklich nicht, was das ist?“, fragten sie uns vergnügt.

Dann machten sie sich weiter an ihre Gartenarbeit. Pflanze für Pflanze holten sie aus dem Graben, klopften am Zaum überschüssige Erde ab und lagerten sie Abholbereit am Straßenrand.

Schreiben Sie zu diesem Thema einen Leserbrief!

© Lokstedt-online 21.05.2013