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Einbruchserie

Über den Dächern der Niendorfer Straße

Seit Wochen hält eine unglaubliche Einbruchsserie die Anwohner eines Teilstücks der Niendorfer Straße auf Trab. Mittlerweile ist fast jedes Haus davon betroffen. Schraubenzieher-Aufhebelversuche finden sich an vielen Fenstern.

Der letzte Einbruch fand erst vorgestern nachmittag statt. Die Einbrecher störte offensichtlich nicht, dass die Hausbesitzer daheim waren. Die Frau arbeitete im Garten, ihr Mann hielt sich im Wohnzimmer auf. Während dessen stiegen die Einbrecher ins Schlafzimmer ein und durchwühlten Schubladen und Schränke. Was gestohlen wurde, stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest.

Hausbesitzer daheim

Dass die Hausbesitzer zugegen waren, ist typisch für die Einbruchsserie. Die Täter mussten bereits mehrfach flüchten, da sie von Hausbewohnern auf frischer Tat ertappt und sie bei ihrem sinistren Gewerbe gestört wurden. Doch das hielt sie nicht davon ab, weiter einzubrechen.

Das Quartier

Der erste Einbruch liegt nun schon einige Wochen zurück. Er erfolgte nachts um 22 Uhr. Erbeutet wurden Geld und Schmuck.

Wie uns Anwohner berichten, ist im Quartier der Kollau, dort wo der Fluß die Niendorfer Straße unterquert - also an der Niendorfer Straße und im Bullenredder - mittlerweile fast jedes Haus betroffen. Es wurde mindestens versucht einzubrechen - glücklicherweise nicht an jedem Haus erfolgreich.

Die Katze und sein Nachfolger

Den ganzen Tag nach dem ersten Einbruch wurden Spuren gesichert. Immer wieder wurden Gegenstände in den Gärten gefunden, von denen sich die Beamten versprechen die DNA der Täter nachzuweisen.

Auf diese Weise hat die Hamburger Polizei erst vor wenigen Wochen den Einbrecher-König Arjan C. überführt. Der 26-jährige Albaner wurde polizeiintern die Katze genannt. Sein Spitzname erinnert - etwas romantisch verklärt - an den Film „Über den Dächern von Nizza“.

In der Hamburger Wirklichkeit geht es allerdings etwas anders zu als beim edlen Juwelendieb. Nicht im Luxushotel, sondern an der Reeperbahn erfolgte der Zugriff. Mindestens 200 Wohnungen und Häuser soll der Albaner geplündert haben. Und vielleicht ist sein Nachfolger - sozusagen über den Dächern der Niendorfer Straße - bereits dabei, sich einen Spitznamen zu verdienen. Die Kripo hat zumindest bereits alle Hände voll zu tun. „Sie ist sehr bemüht“, wie es in der Nachbarschaft heißt.

Soko Castle

Inzwischen wurde die Einbruchsserie von der Soko Castle übernommen. Die Festnahme des Albaners war bisher der erste große Erfolg der Soko und mittlerweile kommen auch immer neue Details über die aktuelle Einbruchsserie ans Licht.

Die Täter

Es muss sich um mindestens zwei Täter handeln, da an verschiedenen Häusern gleichzeitig Aufhebelversuche mit Schraubenziehern unternommen wurden. Die Polizeibeamten gehen davon aus, dass es sich jedes Mal um die gleichen Einbrecher handelt. Einige Nachbarn haben sie gesehen, auch auf Kameraaufzeichnungen kann man sie erkennen.

Allerdings wurden auf den Kameraaufzeichnungen andere Personen gefilmt, als sie von den Anwohnern beschrieben wurden. Einer der beiden Einbrecher ist dabei scheinbar kamerascheu, also kein zukünftiger Cary Grant - obwohl er an Körpergröße diesen sogar überragt. Die Zeugen sprechen von etwa 1,90 Meter, der andere Einbrecher allerdings ist von deutlich kleinerer, weniger telegener Statur.

Wie im Film scheuen die Täter bei ihrem Tun kaum ein Risiko und sind auch bei der Auswahl der Fenster nicht wählerisch. In einem Haus kletterten sie katzengleich aufs Dach und versuchten sich über die Dachluke Zugang zum Haus zu verschaffen. Solche nächtlichen Eskapaden sind gefährlich.

Hohe Polizeipräsenz

Mittlerweile bewacht die Polizei die Häuser an der Niendorfer Straße die ganze Nacht. Manchmal kann man bis zu vier Peterwagen an der Brücke stehen sehen. „Trotzdem treiben die Einbrecher weiter ihr böses Spiel“, schreibt uns eine Anwohnerin. Die erhöhte Polizeipräsenz scheint die Täter nicht abzuschrecken - ebenfalls eine Parallele zum Film.

Allerdings, sollten die Beamten die Täter nicht bald fassen und das derzeitige Revier der Einbrecher nach und nach unergiebig werden, steht zu befürchten, dass sie sich ein anderes Revier suchen könnten. Daher sollten wir alle achtsam sein, egal wo wir wohnen.

Übrigens: Die Polizei berät auf ihren Internetseiten zum Thema Einbruchdiebstahl.

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© Lokstedt-online 28.07.2016